Schützenverein Tell Leuth 1900
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 13. April 2011 16:35
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Der Tell Leuth wurde im Jahr 1900 gegründet.
Die Geschichte des Tell Leuth
von C. Hartmann
(Auszug aus der nebenstehenden Chronik-Festschrift herausgegeben zur 100-Jahr-Feier)
Um die uns erhaltenen spärlichen mündlichen Überlieferungen aus den Gründertagen besser einordnen zu können, erhalten Sie, lieber Leser, vorab den kurzen geschichtlichen Hintergrund, den unsere Schützenkameraden von Victoria Lobberich recherchiert haben. Das ausgehende 19.Jahrhundert ist gekennzeichnet durch eine Zeit relativer politischer Ruhe nach außen und eine Zeit wirtschaftlichen Fortschritts nach innen. Sicher hatten Kulturkampf und das Ringen um die Lösung der sozialen Fragen nachhaltig gewirkt, doch spielte die Tatsache, dass dem Land seit dem Sieg im deutsch-französischen Krieg 1870/71 eine längere Friedensperiode beschert war, im Bewusstsein der Menschen eine wichtige Rolle. Blieb in unserer rheinischen Heimat mancher auf Distanz zu „Preußen", so sahen sich andere in hohem Maße dem jungen Reich verbunden, bedeutete es doch für viele die lang ersehnte Einheit Deutschlands. So ist es nicht verwunderlich, dass in den 90er Jahren bis zur Jahrhundertwende vor allem viele Schützenvereine und Schützenbünde entstehen, die sich in patriotischer Gesinnung und „Wehrhaftigkeit" mit diesem Staat identifizieren. Die Gründerväter des Tell Leuth So trafen sich im Sommer 1900 einige junge Leute in Leuth, heimatverbunden und dem Schießsport zugetan, um einen Schützenverein zu gründen. Ihre Ziele sind gesellschaftliche und schießsportliche Aktivitäten. Der Name für den neuen Verein ist schnell gefunden: nach Schillerschem historischem Vorbild: Tell Leuth, in Reminiszenz nach Wilhelm Tell, - (der mit dem Apfel...)- einem Mann hoher Ideale, der sich selber treu blieb. Nach Aussage der im Jahr 2000 80-jährigen, ehemaligen Vereinswirtin Leni Deriks waren die Gründerväter des Tell Leuth: Franz Funken, Heinrich Holthausen, Johannes Jansen, Mathias Schlicker, Josef Nooten und Heinrich Blomen. Leider sind alle frühen Dokumente, Protokolle und Unterlagen des Vereins in den Wirren des letzten Krieges verloren gegangen. So sind wir auf andere Quellen bzw. mündliche Überlieferungen noch lebender älterer Schützenbrüder oder Bürger angewiesen. Sicher werden die Statuten denen nicht unähnlich gewesen sein, die Hans Straver in seiner Chronik der Schützenkameraden von "Diana" in Breyell-Metgesheide schildert (27.4.1895): "Aufgabe sind Eintracht, Geselligkeit und Frohsinn..." "sowie die Liebe für Kaiser, König und Vaterland stets rege zu erhalten mit dem Spruch; Gib Aug` und Hand fürs Vaterland!" Auch in Leuth, wie in den übrigen Vereinen der umliegenden Städte und Gemeinden, durfte jedes Mitglied seine eigene „Waffe" mitbringen. Sie musste dann allerdings dem Vorstand vorgezeigt und für gut befunden werden. Das Gewehr durfte nur mit einer Kugel geladen werden. Das Tragen der Waffe war hier ebenfalls genau vorgeschrieben. (20 Zentimeter über Kopfhöhe!) Dann: „Jed’ der Schuss nach 3-maligem Versuch nicht los, so ist dieses als erledigte Nummer anzusehen." Und „ein Schütze, der betrunken ist, darf nicht zum Schießen zugelassen werden!" Die Schützenvereine unserer Region waren im „Niederrheinischen Schützenbund" mit Sitz in Dülken vereinigt. Dem schloss sich wohl auch der Tell Leuth zunächst an. Die Schießmodalitäten sind nur teilweise bis heute gültig. So überliefert das Protokoll des GSB (Westdeutscher Grenzschützenbund): Es wird geschossen mit Luftgewehr ohne Diopter, glatter Lauf auf Sterne in Größe 18x18 mm sitzend aufgelegt. Jeder Schütze hat 3 Sterne. Es wird geschossen von links nach rechts. Fällt beim ersten Schuss der Stern nicht, so schießt der Schütze auf denselben Stern weiter. Schießt der Schütze einen Stern aus der Reihe, so wird der Stern nicht gewertet. Für jeden Schützen werden drei Sterne hochgezogen. Vor dem Schießen ist die Auslosung für die Reihenfolge, etc. Protokoll v. 11.Febr. 1951). Weiter wird berichtet, dass in der Anfangszeit in Leuth, wie im nahen Lobberich nicht, wie heute üblich, auf metallene Sterne oder Plättchen, sondern auf kleine Kartoffeln geschossen wurde, sog. „Tötsches", die man auf Stäbchen gesteckt hatte. Bevor man auf Metallsterne überging, wurde die Kartoffel, immerhin ein Nahrungsmittel, durch Holzklötzchen ersetzt. Die im Vereinsschießen benutzten Gewehre waren meist älterer Bauart, u.a. Zündnadelgewehre; daher auch die besonderen Vorsichtsmaßnahmen im Reglement: „Das Zündhütchen soll nicht eher bis am Schützenstande aufgesetzt werden. Bei Hinterladern darf die Patrone erst am Stande eingeführt werden". Und „Beim Versagen eines Schusses muss der Schütze (aus Sicherheitsgründen) noch eine kurze Zeit im Anschlage bleiben." Verbliebene Zeitdokumente Während ein Foto von 1925 aufgenommen anlässlich der Fahnenweihe der bis heute noch existierenden Fahne das älteste existierende Zeitdokument des Tell ist, weist den ersten sportlichen Erfolge das noch existierendes schriftliche Dokument aus den Dreißigern, das Protokollbuch aus: Den Gewinn der Bundesmeisterschaft des Westdeutschen Grenzschützenbundes im Jahre 1931. Dazu wurde in der Versammlung vom 29.11.31 beschlossen, ein Mannschaftsfoto vom Fotografen zur Erinnerung an diesen Sieg machen zu lassen. Gleichzeitig wurde der Monatsbeitrag auf 35 Pf, das Eintrittsgeld für neue Mitglieder auf 1,50 Mark festgesetzt und für den Jahrespreis 4-5 RM (Reichsmark) bereitgestellt. Vereinswirt des Tell und Inhaber des damaligen wie heutigen Vereinslokal „Dorfeck" war 1933 einer der Gründerväter Franz Funken, Vorsitzender war zu dieser Zeit Mathias Schlicker, Schriftführer Mathias Nelißen. Zur Delegiertentagung in Breyell-Ritzbruch wurden neben Mathias Schlicker die Herren Josef Nooten, Heinrich Holthausen und Franz Funken entsendet. Um den Zeitgeist für die Nachwelt leichter erfaßbar zu machen, nachstehend einige Auszüge aus den wenigen überlieferten Versammlungs-Protokollen von 1930 bis 1933: Die protokollierte Versammlung vom 28.02.32 weist als damalige Gruppengegner diesen Jahres Breyell-Ritzbruch, Victoria Lobberich, Heythausen-Hülst (heute Heidhausen) und Wilhelmshöhe Lobberich aus, während das Bundesfest 1932 bei den Schützenvereinen Diana Breyell und Waldesgrün Bracht stattfand und ein Freundschaftsschießen mit Hinsbeck-Schlöp anstand. Es wurde beschlossen, an den Kirmestagen ein Preisschiessen abzuhalten. Das Mitglied Leo Nooten wurde dazu mit der Lieferung von Königsschärpen beauftragt. Zur damals straffen Vereinsführung ist anzumerken, dass ferner beschlossen wurde, in diesem Jahr keinerlei Entschuldigung zuzulassen, einem Übungs- oder gar Pflichtschießen fernzubleiben. Wer gleichzeitig Mitglied in einem Sportverein war, wurde verpflichtet, bei allen Pflichtschießen zugegen zu sein. Sonst war eine Aufnahme in den Tell nicht möglich. Mehrmaliges Fernbleiben zu Versammlungen wurde mit Ausschluss sanktioniert. Zu Fahnenoffizieren wurden gewählt Mathias und Martin Nelißen. Am 28.03.32 wurde die Aufnahme von Ehrenmitgliedern zu einem Ehrenmitgliedsbeitrag von jährlich 2 Mark beschlossen, die dadurch zwar keine Vergünstigungen erhalten sollten, jedoch an allen Schießen teilnehmen durften. Heinrich Bongartz war dann 6 Monate später das erste Mitglied, dass sich zum Ehrenmitglied umschreiben ließ. Es wurde ferner beschlossen, die Hauptpreise für das Kirmes-Preisschießen bei den Einheimischen zu kaufen und nicht auswärts. Die Schießmodalitäten des Preisschießens wurden festgesetzt auf: 4 Schuss zu 0,25 Mark. Bei diesem Preisschiessen wurde ein dann bei der Kirmes ein Gewinn von 16,07 Mark erzielt. Daraufhin wurde vom Vorsitzenden bei der Nachlese-Versammlung am 28.05.32 eine Runde aus der Kasse spendiert und Mitglied Heinrich Holthausen wurde mit dem Bau eines Fahnenschrankes beauftragt. Mathias Nelißen verpflichtete sich, beim Bundesfest in Bracht dem „Lademeister" und jedem Schützen, der 3 Treffer erzielt, ein Glas Bier zu spendieren. Motivation war auch damals, wie heute, von Nöten. Auch Zigarrenausteilen war ein beliebtes Motivationsinstrument. Bis Mitte der 30er Jahre hatte der Verein alle bewegenden Ereignisse der Zeit überstanden: Weltkrieg, Inflation, Wirtschaftskrise, Weimarer Republik. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 brach auch in Leuth, wie in den umliegenden Gemeinden, das Vereinsleben zusammen. Gleichschaltung und Vereinsverbote brachten vorübergehend das Aus für Vereine und Verbände am Niederrhein. Die ersten Mitglieder fielen im 2. Weltkrieg. Ihnen zu Ehren und zum Gedenken wurde in den 50-ziger Jahren eine Ehrentafel errichtet, die heute unser Vereinsheim zum Frieden mahnend schmückt.




Wiederaufleben des Tell Leuth 1950
5 Jahre nach Kriegsende war der Wunsch nach Aufbau und Zerstreuung und sonntäglicher Geselligkeit in Leuth wieder erwacht.
Die Idee wurde geboren, anlässlich der bevorstehenden 50-Jahr Feier die Neubelebung des „Tell Leuth" , dessen Ende ja niemand „beschlossen" hatte, krachend zur Frühjahrskirmes wieder einzuleiten. Alte und neue Mitglieder ergriffen die Initiative und bereiteten voll Eifer die Wiederauferstehung des Tell Leuth vor im Jahrzehnt des Aufbruchs - den 50-ziger Jahren. So wurde beschlossen, am 23. und 24. Juli 1950 ein Grenzlandtreffen mit den Nachbarvereinen zu veranstalten und an der Leuther Mühle ein Zelt zu errichten. Gleichzeitig errang Mitglied Hans Driessen die Königswürde, um dieses goldene Jubiläum mit einem Schützenfest zu krönen.
Doch unerwartete Schwierigkeiten in Form sturer Bürokraten im Gemeinderat bremsten noch am 14. Juli, also nur wenige Tage vor dem Jubelfest, die emsigen Tell Schützen aus: In einer geheimen Abstimmung, die 2 zu 2 endete und wo dann die fünfte Stimme des damaligen Bürgermeisters Nellissen den negativen Ausschlag gab, wurde überraschend der Antrag des Tell auf eine vorübergehende Schankkonzession für das Festzelt an der Leuther Mühle abgelehnt...
Aber damals wie heute gab es pfiffige Köpfe beim Tell, die auf die Idee kamen, den Zeltplatz einige Meter weiter auf Hinsbecker Hoheitsgebiet zu legen, Tell hatte seinen Willen, die Gemeinde Hinsbeck die Steuereinnahmen und die Gemeinde Leuth das Nachsehen. Tja, wie heißt es auch noch gleich in China: Statt über die Dunkelheit zu fluchen, zünde eine Kerze an ! „Tja, das war Tells Geschoss" , schrieb die Presse anschließend.
Soweit die ersten 50 Jahre des Tell Leuth. Ab 1951 wurde dann wieder ein Protokollbuch geführt. Gleich auf der ersten Seite steht folgende Aufstellung der damaligen Mitgliederstruktur 1951/1952:
| Vorstand: | Mitglieder: |
| 1. Vorsitzender: Mathias Schlicker | Franz Funken |
| 2. Vorsitzender: Heinrich Holthausen | Heinrich Jansen |
| 1. Kassierer: Johann Jansen | Willy Schattenkerk |
| 2. Kassierer: Heinz Holterbosch | Andreas Heinen |
| 1. Schriftführer: Walter Koß | Josef Nooten |
| 2. Schriftführer: Hans Drießen | Egidius Nellissen |
| Hubert Berten | |
| Willy Schouren | |
| Willy Heufs | |
| Hein Dericks | |
| Fred Stoffels | |
| Alois Lipka | |
| Georg Müller | |
| Johann Dückers | |
| Hermann Dückers | |
| Hans Hebben | |
| Ferdi Frank | |
| Peter Glied | |
| Helmut Jakobs | |
| Hans Willi Bongarts | |
| Christian Buschmann |
Auf der Generalversammlung vom 25.02.1951 im Vereinslokal Heinrich Dericks wurde die Bildung eines Spielmannzuges beschlossen. Die Mitglieder Dericks und Holterbosch wurden als Trommler, sowie Koß und Heufs als Pfeifer gewählt. Zur Anschaffung der benötigten Instrumente erhielt jedes Mitglied eine Spendenliste gesendet. Ferner wurde der Beschluss gefasst, wer auf Versammlungen 3-mal unentschuldigt fehlte, wurde statutsgemäß aus dem Verein gestrichen und für jedes unentschuldigte Fehlen außerdem ein Strafgeld in Höhe von 20 Pf festgesetzt. Peter Jansen aus Kaldenkirchen war das erste auswärtige Mitglied, dass in den Verein aufgenommen wurde und damit den Grundstein für die Öffnung des Tell für „zugereiste" legte. Die Fotodokumente auf den folgenden Seiten mögen einen Einblick in das sportliche und gesellschaftliche Leben des Tell Leuth von damals bis heute geben. Möge der Pionier-Geist unserer Gründerväter noch viele Generationen lang weitergegeben werden.
C. Hartmann 07/2000
Das hundertjährige Bestehen des Vereins wird gebührend mit den anderen Vereinen des GSB gefeiert am 19.08.2000, während für die Leuther und auswärtige Bevölkerung am 20.08.2000 ein Preisschießen stattfindet um den nicht vereinsangehörigen „Dorfmeister2000" auf einem eigens von Mitglied Günter Grunwald für diesen Zweck in Eigenleistung gebauten, mobilen Schießstand auf dem Gelände des Vereinslokals „Dorfeck", Locht 45 in Leuth.
Bestehend Vereinsrekorde
Erster (Gesamt) Vereinsmeister .......................... Heinrich Dericks (1959) Erster weiblicher Vereinsmeister ............................. Susanne Breitinger (1992) Jüngster Vereinsmeister (mit 14 Jahren) .................. Christoph Hartmann (1971)
Erfolgreichster Vereinsmeister in Serie (8x) ................. Günter Grunwald (1993-2000)
Erfolgreichster Vereinsmeister insgesamt (14x) ...... Christoph Hartmann (1970-2011)
Jüngstes Vereinsmitglied (11 Jahre mit Sondererlaubnis)... Jan Nelißen (2003)
Unser Vereinsheim mit Schiess-Stand (2 Scheiben Flachstände und 1 Sterne Hochstand) befand sich praktisch seit Beginn 1900 in der damaligen Gaststätte "Dorfeck", Locht 45, 41334 Nettetal-Leuth. Seid 2005 logieren wir im neuen Vereinsheim Haus Kother Wessig, Hampoel, im Herzen der St. Lambertus Bruderschaft in Leuth.

alters Vereinsheim 1900-2004 "Dorfeck" - Locht
neues Vereinsheim 2005 im "Haus Kother Wessig" - Hampoel

